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Jinal Tamszuqo
Der 20. Mai in Europa: „Passivität, Fehldarstellungen und Unkoordiniertheit“
09 Haziran 2012 Cumartesi Saat 23:57

Anders, als die dynamischen politischen Bewegungen in der Türkei, in den USA und in Tscherkessien, waren die Aktionen der europäischen Diaspora dieses Jahr gekennzeichnet von Passivität, Fehldarstellungen und Unkoordiniertheit. Die drei unterschiedlichen Hauptgruppen:

1.      adygisch-tscherkessich, aber politisch passiv - die FDTKV -

2.      nordkaukasisch und den Begriff  „Tscherkesse“ für alle Nordkaukasier benutzend - der Euro-Xase -

3.      und adygisch-tscherkessisch und politisch aktiv - die Aktivistengruppen,

begingen jeweils auf ihre eigene, aus ihrer politischen Orientierung heraus resultierenden Haltung, den Tag des Genozids und der Vertreibung:

Zu 1:

Die FDTKV und die ihr angeschlossenen Vereine äußerten sich lediglich in zwei, auf ihrer Internetseite veröffentlichten Meldungen. Dabei wurde, wie bislang immer, eine Konfrontation mit dem Täterstaat, dem zaristischen Russland vermieden, indem andere damalige Akteure, wie das osmanische Reich, England usw. in einem Atemzug mit dem Täter genannt wurden. Das impliziert, dass diese Mächte gleichviel Verantwortung tragen und verschleiert die historisch-juristische Realität, dass es nur einen Täter bezüglich des Genozids und der Vertreibung gab. Die anderen Mächte mögen an dem Schicksal der Tscherkessichen Nation auch ihren teilweise negativen Einfluss gehabt haben. Für das schwerste Verbrechen - den Genozid und die ethnischen Säuberungen - sind sie aber nicht verantwortlich. Keine dieser Mächte hatte, im Vergleich zum zaristischen Russland, das Ziel, einen Genozid und eine Vertreibung der Tscherkessichen Nation durchzuführen. Sie waren allenfalls Nutznießer der desolaten Situation und nutzten unsere Vorfahren für ihre Ziele. Einen Genozid haben sie aber nicht durchgeführt. Das hätte eine Verabredung mit dem verfeindeten Russland bedeutet, einen Komplott gegen die Tscherkessen. Das existierte nicht. Sie wollten die Tscherkessen ausnutzen, um Russland zu schwächen, nicht aber die Tscherkessen ausrotten oder vertreiben. Diese Motivation lag allein bei Russland.

Durch die Darstellungsweise auf der Internetseite der FDTKV wurde allerdings eine ganz andere und juristisch falsche Aussage gemacht. Hinzufügen möchte ich, dass diese Aussage nicht alle Einzelmitglieder der FDTKV angeschlossenen Vereine zum Ausdruck bringt: Ich, obwohl im Vorstand des Hannover Xase, sehe meine Meinung in dieser Darstellungsweise nicht vertreten und aus persönlichen Gesprächen weiß ich, dass eine Anzahl weiterer Personen ebenfalls meiner Meinung sind!

Die Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte geltenden Doktrinen und Glaubenssätze, wie:

„Wir dürfen nichts tun, was Russland verärgert!“

„Schuld an unserem Schicksal haben viele Mächte, unsere Fürsten und wir selber!“

„Unsere Vereine dürfen in Deutschland keine Politik machen!“

„Wenn wir hier in Europa demonstrieren, gefährden wir unsere Schwestern und Brüder in der Heimat!“

„Russland hat durch Sprachunterricht und die Etablierung von Republiken viel für unser Überleben getan, wofür wir dankbar sein müssen!“

usw.

scheint in den Köpfen und dem Verhalten der FDTKV immer noch sehr stark zu sein! Erstaunlicherweise, da ein Teil der bevölkerung in der Heimat, welche man ja angeblich durch die eigene politische Passivität schützen will, sehr engagiert ist und man sich dort auch nicht scheut, das Thema „Genozid“ offen auf Plakaten zu thematisieren! Bleibt abzuwarten, mit welchen Argumenten eine eventuelle weitere politische Passivität begründet werden will, wenn dieses Argument nun offen und deutlich als unzutreffend erkannt wird.

Zu 2.:

Im Umfeld des Euro-Xase und des ihm angeschlossenen Nordkaukasischen Vereins Berlin, wenn auch nicht in deren Namen, setzte sich eine andere Fehldarstellung durch. In Berlin organisierte eine Aktivgruppe für den 20. Mai eine Demonstration mit Briefübergabe an das russische Konsulat. Slogan war der erfundene „Genozid an den Nordkaukasiern“. Wie bekannt sein dürfte, hat jedes Volk im Nordkaukasus, welches meint, einen Genozid durch Russland erlitten zu haben, seinen eigenen Trauertag.

Woher stammt diese Motivation, den tscherkessichen, also adygeischen Trauertag für eigene Zwecke zu missbrauchen? Wo bleibt die so oft beschworene Freundschaft und Brüderlichkeit unter den Nordkaukasiern, wenn so wenig Respekt vor dem ureigends tscherkessischen Trauertag existiert? Wo bleibt aber auch der Aufschrei unter den Tscherkessen, also Adygearn, ein solches Fehlverhalten zu konfrontieren?

Erstaunlich an der Denkweise der Organisatoren und Sympathisanten ist hier, dass im Kaukasus nur der adygeische Trauertag und Genozid an diesem Datum für Demonstrationen sorgte. Wenn es so etwas, wie einen „nordkaukasischen Genozid“ gäbe, wäre doch der gesamte Nordkaukasus aktiv an diesem Tag.

Die politische Passivität der einen Richtung scheint hierbei eine Kollusion mit der Falschdarstellung und Ausnutzung adygeischer Belange der anderen einzugehen! Wäre die FDTKV politisch nicht so passiv, würde sie die Fehldarstellung der nordkauksischen Richtung eher anprangern und als Fälschungsversuch offenlegen. So aber hat die nordkaukasische Richtung viele Möglichkeiten, selbst an das russiche Konsulat, ihre Ideologie zu präsentieren.

Zu 3.:

Die, sich nur auf adygeische Belange konzentrierenden Gruppen, welche gleichzeitig politisch aktiv für unsere Belange eintreten – wozu auch ich und die Patriotische Bewegung zählen -, organisierten parallel in München, Hannover und ebenfalls in Berlin, eigene Demonstrationen und Gedenkveranstaltungen. Von den beiden anderen Richtungen bislang nicht unterstützt oder sogar denunziert, war deren Anzahl naturgegeben relativ klein. Nichtsdestotrotz setzten sie Zeichen, für dieses neue Denken und Handeln.

Abzuwarten bleibt, wie sehr sie sich in den nächsten Jahren in den Vereinen und Dachverbänden etablieren werden. Solange die FDTKV festhält an ihrer politischen Passivität und der Euro-Xase an einer Politik, die eher anderen Nordkaukasischen Völkern dient, wird es schwer sein, in Europa eine Organisation zu bilden, welche selbstbewusst und kompetent für tscherkessische, also adygeische Belange eintritt.

Grundvoraussetzung für eine Neuausrichtung der FDTKV, der ich angehöre, wäre eine Weiterführung und Festigung des erst in Ansätzen begonnenen inneren Demokratisierungsprozesses. Die bislang herrschende Einstellung, nicht öffentlich über kontroverse politische Themen zu reden und vor allem Rednern kein öffentliches Rederecht zuzubilligen, welche konträre Meinung vertreten, sollte als erstes verändert werden. Möglichkeiten wären regelmäßige vereinsinterne Diskussionsforen, wie auch die jährlich stattfindenden Großveranstaltungen. Dort könnten verschiedene Redner, unterschiedlicher Richtung auftreten. Dadurch würde der Komplexität der tscherkessischen Politik mehr Rechnung getragen und das interessierte Publikum hätte die Möglichkeit, sich umfassender eine eigene Meinung zu bilden. Erste Schritte in diese Richtung sind erkennbar. Stabil und gefestigt ist eine solche offene, demokratische Struktur allerdings noch nicht. Erst nach Etablierung einer solchen Kultur, ist es meiner Meinung nach möglich, professioneller auch in anderen Bereichen zu arbeiten, den Nachwuchs, welcher viel mehr ein demokratisches Verhalten gewöhnt ist, aus seinen Lebenserfahrungen, zur aktiven Mitarbeit zu motivieren und die Öffentlichkeitsarbeit voran zu bringen.

Positiv zu konnotieren ist diesmal, dass mehrere Personen aus Deutschland bei den Großdemonstrationen in Istanbul anwesend waren und dass mit dem grünen Abgeordneten aus NRW - Arif Ünal - ein in Deutschland lebender Politiker tscherkessischer Herkunft ein klares und offenes Statement zur Vergangenheitsbewältigung und der Verantwortung des heutigen Russlands gemacht hat. Wie sehr solche Positionierungen allerdings zu einer Selbstreflexion der bestehenden Organisationen und der älteren Vereinsvorstände in Europa führt, bleibt abzuwarten. Ohne inneren Druck, ohne, dass mehr und mehr Mitglieder nach struktureller und politischer Veränderung verlangen, wird sich wohl nichts ändern. Wenn dieses aber eintritt, kann man gute Hoffnung haben, dass sich politische Passivität und Eingeschüchtertheit in Selbstbewusstsein und Aktivität verwandelt!




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