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Jinal Tamszuqo
Die Ereignisse um den 21ten Mai 2011
04 Haziran 2011 Cumartesi Saat 02:37

Moskau: 

      Am 16ten Mai trafen sich in Moskau die Delegierten der verschiedenen Tscherkessischen Organisationen aus der Diaspora mit Abgeordneten der russischen Duma, um über die Wünsche der Nachkommen der Vertriebenen an die Russische Föderation zu sprechen.  

      Es scheint, dass Russland die „Tscherkessische Frage“ anfängt ernster zu nehmen. Vermutlich eine Folge der international stattfindenden Proteste und der politischen Aktivitäten Georgiens in der letzten Zeit.  

      Dieses Treffen soll der Anfang eines Verhandlungs- und Kommunikationsprozesses zwischen Tscherkessischen und Russischen Offiziellen werden. Wie sehr Russland sich bereit erklärt, auf die Tscherkessischen Wünsche (siehe: „Address to the Members of the Russian Duma - by Cicek Chek“, http://www.circassianworld.com/new/headlines/1563-address-to-the-members-of-the-russian-duma-by-cicek-chek.html ): 

      * Anerkennung des Genozids und der ethnischen Säuberungen,  

      * Anerkennung der Tscherkessischen Nation, als indigene Urbevölkerung des Kaukasus,  

      * Einführung einer doppelten Staatsbürgerschaft,  

      * Erschaffung einer einzigen Tscherkessischen Republik im historischen Tscherkessia, 

      * Rechtssaatlichkeit,  

      * Menschenrechte,  

      * Pressefreiheit, 

      ein zu gehen, wird sich zeigen, vor allem angesichts der aktuellen politischen und wirtschaftlichen Zentralisierung Russlands durch der Geheimdienst (siehe: „In Moskau regiert der Geheimdienst“,

http://www.welt.de/politik/article702380/In_Moskau_regiert_der_Geheimdienst.html) und der aktuellen Geschichtspolitik, die keine Kritik an der russischen Historie zulassen will…  

      Tiflis: 

      Nach einjährigem intensivem Studiums der Akten zum Tscherkessisch-Russischen Krieg von 1764 bis 1864, kam das georgische Parlament am 20ten Mai zu der Entscheidung, dass das damalige zaristische Russland das schwerste Kriegsverbrechen, welches das Völkerrecht kennt, einen Genozid und massive ethnische Säuberungen, an der Tscherkessischen Nation begangen hat. 

      Die Parlamentsdiskussionen, bei denen Vertreter verschiedener Tscherkessischer Organisationen mit den Parlamentariern sprachen, waren begleitet von sehr viel Anteil nehmenden Emotionen der Abgeordneten, angesichts des damals begangenen Schreckens. Es kam zu persönlichen Aussagen wie:  

      „Das georgische Volk ist schockiert angesichts der Schrecken, die damals passiert sind!“ ; „Wir Georgier sind sehr unter politischen Druck gekommen, den Genozid nicht anzuerkennen, aber angesichts der Tatsachen und der Jahrhunderte langen freundschaftlichen Verhältnisse zur Tscherkessischen Nation, mussten wir uns so entscheiden!“ oder „Wir wissen, dass wir in vergangenen Zeiten sehr viel von der Tscherkessischen Nation gelernt haben und dass die Tscherkessische Nation die führende Rolle im Kaukasus gespielt hat!“ 

      Auch scheint es, dass die „TSCHERKESSISCHE FRAGE“ mehr und mehr internationales Interesse weckt, da sogar der persönliche Berater von Barack Obama anwesend war.  

      Natürlich erzeugt die Anerkennung gerade durch Georgien, aufgrund der Konflikte mit Abchasien und Südossetien, viel Skepsis. Außerdem ist bekannt, dass Georgien sich seit Jahren eng an die USA anlehnt, welche eigene geopolitische Interessen im Gebiet der ehemaligen Sowjetunion hat.  

      Die Anerkennung könnte aber auch ein wichtiger Schritt, zur Versöhnung mit Abchasien und Südossetien sein, da sich berechtigte Forderungen der Abchasiens anschließen könnten, deren Genozid ebenfalls anzuerkennen. Ob Abchasien diesen Schritt in der näheren Zukunft gehen wird, bleibt angesichts der engen Verflechtungen mit Moskau allerdings fraglich! Georgien wäre zu empfehlen, seine Abchasien- und Südossetienpolitik neu zu überdenken und nach Kompromissen mit diesen Nationen zu suchen, um insgesamt mehr Vertrauen bei den Nordkaukasischen Völkern, insbesondere auch den Tscherkessen, zu bekommen.  

      Wünschenswert wäre es, wenn dieser Schritt Georgiens der Beginn einer neuen, konstruktiven Kaukasuspolitik, insbesondere mit Abchasien und Südossetien wäre. Moskau wird wahrscheinlich versuchen, diese Entscheidung rückgängig zu machen, indem es die georgische Opposition stärkt, was Russland auch schon begonnen hat. 

      Für die Tscherkessische Nation kann diese Entscheidung ein Meilenstein auf dem Weg sein, wieder eine Nation zu werden und eigene nationale Politik zu gestalten. Nach Georgien können sich nun weitere Anträge auf Anerkennung der historischen Verbrechen an weitere Staaten und Institutionen anschließen. Das wird den Druck auf Russland erhöhen, Rechtsstaatlichkeit, Demokratie, Pressefreiheit und die Rechte indigener Nationen im Kaukasus mehr Geltung zu verleihen, da die Weltöffentlichkeit ihren Blick mehr und mehr auf bislang versteckte historische und aktuelle Vorgänge in der Kaukasusregion lenken wird! 

      Istanbul: 

      Aussagekräftig, bezüglich der verschiedenen politischen Ambitionen, sind die Demonstrationen in Istanbul gewesen. Die drei politischen Hauptströmungen hatten jeweils eigene Demonstrationen organisiert: 

      * KAF-FED, die bislang unpolitischste Organisation, die in der Vergangenheit immer vermieden hat, den Genozid und die Vertreibung zu thematisieren und ihre Gedenkveranstaltung in Kefken, weit entfernt vom russischen Konsulat abhielt, musste durch den politischen Druck von unten, insbesondere durch cherkessia.net, seine Haltung ändern. So fand deren Demonstration in Besiktas statt, allerdings mit vielen nordkaukasischen Flaggen, nicht nur den Adygeischen.  

      Die Demonstration um may21.org herum, welche eine Initiative verschiedener Gruppen, wie z.B. der Internetseite Kafkasya Forum oder Kafkas Vakfi, ist, verfolgt ebenfalls  eine „nordkaukasische“ Politik. Einige der angeschlossenen Gruppen, schließen laut eigenen Aussagen die rechtstaatlichen Wege zur Anerkennung des Genozids und der ethnischen Säuberungen mit der Russischen Föderation für sich aus.  

      Deren Demonstration fand, ebenfalls mit verschiedenen nordkaukasischen Fahnen in Taksim statt. Man kann sich hier fragen, welche Interessen diese Gruppen verfolgen, die für sich rechtsstaatliche Mittel ausschließen und die Anerkennung von Genozid und ethnischer Säuberung durch Georgien ablehnen.  

      Ein Grund für ihre Haltung könnte es sein, dass diese Anerkennung auch den Druck auf die Türkei erhöht, die Tscherkessen endlich als eigene Nation, auch innerhalb der Türkei anzuerkennen und ihnen mehr Rechte einzugestehen. 

      Die dritte Demonstration von der adygeisch-patriotischen Bewegung um cherkessia.net herum, fand in Taksim, mit rein Adygeischen Fahnen statt. Diese Bewegung steht für ausschließlich adygeische Nationalpolitik und Verhandlungen mit der Russischen Föderation, nach rechtsstaatlichen Prinzipien der Russischen Föderation und des internationalen Völkerrechts, also die Anerkennung der historischen Ereignisse, als Genozid und ethnische Säuberung, durch möglichst viele Staaten und die Etablierung einer einzigen zusammen gehörigen Republik TSCHERKESSIA, mit deutlich mehr Autonomie, als die bisherigen Republiken, allerdings innerhalb der Russischen Föderation.  

      Diese Forderungen haben ihre rechtliche Grundlage in der russischen Verfassung (siehe: Art. 5, Abs. 2 der russischen Verfassung) und in internationalem Völkerrecht. Darum stellten einige politische Aktivisten auch als Drittes, nach den Tscherkessischen Republiksparlamenten in den 90ern und nach Murat Berseg 2005, einen Antrag bei der russischen Duma und dem georgischen Staat, auf Anerkennung des Genozids und der ethnischen Säuberungen. Das russische Konsulat lehnte es bislang allerdings ab, diesen Antrag anzunehmen und an die Duma weiter zu leiten. 

      Deutschland: 

      In Hamburg fand am 21ten Mai eine interessante Konferenz im Völkerkundemuseum mit namhaften Rednern ( ) statt. Vor der Konferenz wurde eine, leider nur halbherzig umgesetzte und organisierte Demonstration vor dem russischen Konsulat abgehalten. Nachdem es anfangs hieß, dass diese Veranstaltung unter dem Dach des Nordkaukasischen Vereins Berlin stattfinden wird, fand sie dann letztlich auch unter dem Banner von may21.org statt, was zu internen Unstimmigkeiten und der Absage einiger Mitorganisatoren führte.  

      Nichtsdestotrotz gebührt den Organisatoren und Herrn Köpke, dem Museumsdirektor viel Dank. Herr Köpke hat sich auch bereit erklärt, weitere Veranstaltungen dieser Art, auch in anderen Städten, zu unterstützen.  

      In München wurde ebenfalls vor dem dortigen russischen Konsulat demonstriert. Allerdings kam es dort zu Streitigkeiten, wegen der Teilnahme georgischer Personen, die georgische Fahnen schwenken wollten. Kritikpunkt war, dass Georgien immer noch einen ungeklärten Konflikt mit unserem Brudervolk, den Abchasen, hat. Zu bedenken geben kann man hier, dass wenn die Abchasen sich uns gegenüber wirklich brüderlich verhalten wollen, sie eigentlich alles, was unsere Nation stärkt, unterstützen müssten. Es wäre dann auch die Frage zu stellen, wie weit deren Brüderlichkeit gehen würde. Ob sie den selben Schritt, wie Georgien zu gehen bereit wären und die Geschehnisse von 1763 bis 1864 ebenfalls als Genozid und ethnische Säuberungen anerkennen würden! 

      In Berlin wurde anstatt unter dem Titel „Tscherkesischer Genozid“ unter dem Titel „Kaukasischer Genozid“ demonstriert.  

      Erwähnenswert ist auch, dass die verschiedenen Tscherkessischen Kulturvereine in Deutschland sich dieses Jahr, trotz Nachfrage, nicht zu einem öffentlichen Statement zum 21ten Mai durchringen konnten. Einzige Ausnahme bildet der Münchner Verein, der dieses Jahr das erste Mal als Verein sogar zu der Demonstration aufrief.  

      Wichtig wären für den weiteren Prozess, dass sich eine demokratische und respektvolle Kommunikations- und Diskussionskultur entwickelt, bei der alle Positionen Gehör finden und man gemeinsam versucht, den richtigen nationalen Weg zu finden!  

      Zentralistische, undemokratische Strukturen und Manipulationsversuche sollten abgeschafft und unterschiedliche Sichtweisen, differenziert ausdiskutiert werden. 

      Es scheint also mehr als dringend, dass ein offener Diskurs begonnen wird, auch angesichts der seit einiger Zeit sich entwickelnden Idee, ein Tscherkessischer Volks Kongress ın Europa. Die Zukunft des Dunay Adyge Xase scheint unklar. Eine Möglichkeit, den Weltverband auf Dauer zu retten, könnte sein, ihn aus Nalchik, nach Europa zu holen, um den Einfluss russischer Interessenvertreter zu reduzieren. Wie wahrscheinlich das angesichts der finanziell beschränkten Gegebenheiten möglich ist, bleibt abzuwarten. 

      Wichtig ist jedoch, aus einigen Fehlern der Adygeischen Geschichte zu lernen und die eigenen nationalen Interessen klar zu definieren und dementsprechend zu handeln, um nicht zum Spielball anderer Nationen und Interessengruppen, zu werden.  

      Dafür sollte in der allernächsten Zukunft begonnen werden, einen offenen internen Diskurs zu führen und nicht, wie bislang von den etablierten Organisationen praktiziert, die Prozesse zu ignorieren, wie dies zuletzt bei der Konferenz „Gegenwart und Zukunft der Tscherkessen“ am 19.12.2011 in Köln und beim Großtreffen in Olpe, 23.-25.04.2011, geschehen ist. Auf der letzten Großveranstaltung sollten politische Redebeiträge gehalten werden und eine offene Diskussion sollte stattfinden. Statt sich an diese Absprache zu halten, nahm der Veranstalter, der Kölner Verein, diesen Programmpunkt eigenmächtig nicht ins Programm auf, wodurch eine wichtige Diskussion verhindert wurde. Das Fortführen einer solchen Haltung würde dazu führen, mehr und mehr von den laufenden Prozessen überrannt zu werden! 

      Wie die weltweiten Aktionen zum 21ten Mai zeigen, gibt es berechtigten Grund zur Hoffnung, dass die Adygeischen Organisationen aufwachen und sich ein neues Denken etabliert.




Alhas Berkuk

Lieber Jinal,

Diese Artikeln, die du aus Europa und in deutsche Sprache schreibst sind sehr sehr wichtig.

Ich muss auch sagen dass du die politische Sprache und die Themen, über welche du schreibst, beherschst du echt gut.

Ich würde mich freuen wenn du öfter schreibst und sogar deine Artikeln auch zu den anderen Zeitungen oder Zeitschriften schickst.

Danke für solche mutige und klare Aussagen...

Alles Gute

07 Haziran 2011 Salı Saat 00:18
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